Lohnt sich langfristig eine Ausbildung mehr als ein Studium?

In den letzten Jahren hat man sehr viel gehört, dass Deutschland immer mehr gut ausgebildete Menschen mit Universitätsabschluss benötigt. Ingenieure sind dabei ein ganz heißes Thema gewesen. Wenn man sich jedoch einmal Gedanken macht stellt sich die Frage ob und in wie fern dies für die kommende Generation Sinn machen kann. Sicherlich ist nicht zu bestreiten, dass immer mehr Berufe beispielsweise durch Technologien an Wert verlieren bzw. 1000 Arbeiter durch einen Supercomputer ersetzt werden. Gleichzeitig muss jemand diesen Computer programmieren und überwachen, was wieder in Richtung des Studiums gehen würde. Dagegen stellt sich jedoch die Frage, wie sieht es mit handwerklichen Berufen aus? Die meisten Eltern versuchen, dass ihr Kind das Abitur schafft und anschließend studiert. Wenn die Mehrheit studiert, stellt sich jedoch die Frage, wer beispielsweise die Rohre installiert oder die Heizung montiert. Viele Menschen in handwerklichen Berufen sind relativ alt. Der Nachwuchs geht tendenziell eher studieren und daher hat das Handwerk Probleme, neue Azubis zu finden. Die wenigen Azubis sind jedoch in einer guten Position. Wenn die Nachfrage nach Azubis hoch ist und das Angebot an Azubis gering, kann sich dies auf das Einkommen oder auf andere Vorteile auswirken. Wenn sich die wenigen Azubis im Laufe ihrer Karriere gut schlagen, die Entwicklung in Richtung mehr Studenten weitergeht und früher oder später der Meistertitel für die ehemaligen Azubis in der Tasche ist, dann kann das Geld verdienen richtig losgehen. Wenn immer weniger Handwerker existieren und die ehemaligen Azubis nun als Meister die Preise bestimmen, kann es dazu führen, dass die Preise für Handwerksdienstleistung, die Qualität benötigen, stark steigen. Dadurch steigen dementsprechend auch die Einkommen der Meister an. Sofern die Nachfrage nach Handwerksleistungen konstant bleibt oder gar steigt, was durchaus in einer alternden Gesellschaft der Fall sein kann, dann sind dies alles Gesichtspunkte, die durchaus dafür sprechen, dass das Kind nicht unbedingt studieren sollte, sondern der Weg ins Handwerk keine schlechte Wahl ist. Man kann also auch aus ökonomischen Gesichtspunkten nicht pauschal sagen, dass das Studium die bessere Wahl ist. Beispielsweise haben Betriebswirte bereits jetzt nach ihrem Abschluss häufig Probleme, einen Job zu finden, wenn sie nicht gerade zu den besten 10% ihres Jahrgangs gehören. Somit sollte man nicht nur auf den Titel oder das Prestige eine Studiums schauen sondern auch als Eltern die generelle Angebots- und Nachfragesituation auf dem Arbeitsmarkt betrachten sofern man sein Kind in die eine oder andere Ecke drängen möchte. Sicherlich möchten Eltern nur das Beste für ihr Kind doch diese vermeintlich „weise“ Wahl des Studierens kann ein Schuss in Ofen werden.