Zweiter Bildungweg

Der zweite Bildungsweg

Neben dem nominellen ersten Bildungsweg gibt es auch noch Möglichkeiten, sich über den zweiten oder dritten Bildungsweg weiterzubilden. Diese beiden Bildungswege sind für Erwachsene vorbehalten, womit sich eine zweite Chance in der Ausbildung öffnet. In den meisten Fällen geht es darum, die Hochschulreife zu erlangen. Im Studium und bei der anschließenden Jobsuche sind Absolventen im Vorteil, wenn in ihrem Bewerbungsschreiben der Zweite Bildungsweg auftaucht. Das gründet sich auf die Anerkennung des Stehvermögens in ihrer Ausbildung und der erlangten beruflichen Praxis. Allein bei der renommierten Jobbörse „StepStone“ warten aktuell (Januar 2015) über 50.000 Jobs auf solche motivierten Bewerber. Der schwere Gang über den zweiten Bildungsweg lohnt sich also.

der zweite Bildungsweg
der zweite Bildungsweg

Historischer Wandel
Unmittelbar nach dem Krieg wurden jüngeren, durch Kriegsgeschehen benachteiligten Erwachsenen Chancen zur Weiterbildung geboten. In den achtziger Jahren stellte die Notwendigkeit durch erhöhte Anforderungen an das Bildungsniveau und die dafür erforderlichen Abschlüsse den Hauptgrund dar. Heute sind es vor allem Gründe, die sich aus dem Migrationshintergrund oder Unterbrechungen der geplanten Ausbildung durch persönliche Einschnitte ergeben. Eine solche zweite Chance nutzen alljährlich grob geschätzt 5000 Abiturienten. Das sind etwa zwei bis vier Prozent der Abiturienten überhaupt.

Voraussetzungen und Grundlagen
Der zweite Bildungsweg umfasst die kostenfreien Schulformen Abendgymnasium, Abendschule und Kolleg. Hierbei handelt es sich um staatliche Schulen unter der Hoheit der Bundesländer. Zum Besuch des Abendgymnasiums und des Kollegs ist jeder unter folgenden Voraussetzungen berechtigt:

  • vollendetes 19. Lebensjahr.
  • eine abgeschlossene Berufsausbildung.
  • oder eine mindestens zweijährige Berufstätigkeit.
  • einen mittleren Schulabschluss (Realschulabschluss).

Existiert ein solcher Schulabschluss nicht, muss zunächst ein Vorkurs absolviert werden. Der Schulbesuch am Abendgymnasium und am Kolleg dauert drei Jahre. Das Ziel des Unterrichts ist die Erlangung der allgemeinen Hochschulreife oder des Haupt- und Realschulabschlusses (Abendschule). Der Unterricht an Abendschule oder Abendgymnasium findet berufsbegleitend Montag – Freitag abends statt. Am Kolleg erfolgt der Unterricht in Vollzeit und kann daher nicht berufsbegleitend erfolgen. Für die Abiturprüfung gelten dieselben Verfahrensbestimmungen wie am Gymnasium. Analog gilt das für Prüfungen an der Abendschule. Annahmeschluss für eine Bewerbung ist meist Mitte Juni.

Förderung (BAföG)
Da staatlich gefördert, ist diese Schulform frei von Gebühren und wird gemäß BAföG (§ 11 Abs. 2 a und 3 BAföG) unterstützt. Allerdings gibt es elternunabhängiges Schüler-BAföG beim Abendgymnasium erst ab dem vierten Semester. Dagegen gibt es auf einem Kolleg bereits ab dem ersten Semester BAföG. Mit dem Abitur über den zweiten Bildungsweg kann jeder Student prinzipiell das BAföG für ein Studium beantragen.